Warum andere deine neue Funktion nicht automatisch erkennen

Warum andere deine neue Funktion nicht automatisch erkennen

Die Beförderung ist geschafft. Die neue Funktion steht im Organigramm, die Verantwortung ist klar geregelt und die Freude ist gross.

Wenige Wochen später folgt bei manchen Ärztinnen die Ernüchterung. Patientinnen richten ihre Fragen an den Assistenzarzt. Angehörige schauen beim Gespräch immer wieder zum älteren Kollegen. Im Rapport wird die eigene Einschätzung übergangen, bis jemand anders denselben Vorschlag macht. Dabei hat sich die Funktion längst verändert.

Nur die Wahrnehmung anderer braucht manchmal etwas länger.

Diese Situationen begegnen mir immer wieder. Nicht nur bei frisch ernannten Oberärztinnen, sondern auch bei Leitenden Ärztinnen. Niemand zweifelt an ihrer medizinischen Kompetenz. Trotzdem werden sie nicht selbstverständlich in ihrer neuen Rolle wahrgenommen. Das hat mich lange beschäftigt. Denn offensichtlich genügt eine Beförderung allein nicht. Eine Führungsrolle muss auch sichtbar werden.

Eine Oberärztin erzählte mir von einer kleinen Veränderung mit grosser Wirkung. Bei der Visite stellte sie sich früher meist neben ihren deutlich grösseren Assistenzarzt. Sie ging davon aus, dass allen klar sei, wer die Verantwortung trug. War es aber nicht. Viele Fragen richteten sich zuerst an ihn. Heute tritt sie bewusst ans Patientenbett, schaut die Patientin an und beginnt das Gespräch mit einem Satz: «Guten Tag, ich bin Ihre behandelnde Oberärztin.» Mehr hat sie nicht verändert. Trotzdem verlaufen die Visiten heute anders. Die Fragen kommen zu ihr. Der Blick richtet sich auf sie. Ihre Rolle ist von Anfang an klar.

Ein anderes Erlebnis spielte sich in einem Angehörigengespräch ab. Eine Ärztin erklärte den Behandlungsplan, beantwortete alle Fragen und fasste das weitere Vorgehen zusammen. Am Schluss wandten sich die Angehörigen trotzdem an den Assistenzarzt: «Und was meinen Sie dazu?» Der reagierte vorbildlich. «Das hat Ihnen Frau Dr. X bereits erklärt. Sie ist die behandelnde Oberärztin.» Mehr brauchte es nicht. Das Gespräch war sofort wieder geordnet.

Manchmal sind es nicht die anderen, sondern die eigenen Gewohnheiten, die geblieben sind. Eine Oberärztin erzählte mir, dass sie sich im Rapport noch monatelang an denselben Platz setzte wie früher als Assistenzärztin. Ganz an den Rand des Tisches. Dort hatte sie jahrelang gesessen. Irgendwann fiel ihr auf, dass sie zwar befördert worden war, ihr Platz aber derselbe geblieben war. Heute sitzt sie bei den anderen Oberärztinnen. Niemand hat ihr diesen Platz zugewiesen. Sie hat ihn selbst eingenommen.

Auch Sprache verändert etwas. Eine Teilnehmerin eines Workshops erzählte mir, dass sie ihre Entscheide häufig als Fragen formulierte. «Was meint ihr, könnten wir …?» oder «Vielleicht wäre es sinnvoll …» Eines Tages sprach sie mit einer erfahrenen Pflegefachfrau darüber. Deren Rückmeldung war kurz und ehrlich: «Manchmal weiss ich gar nicht, ob Sie gerade überlegen oder bereits entschieden haben.»

Dieser Satz blieb hängen.

Heute formuliert sie ihre Entscheide klar. Freundlich wie früher, aber eindeutig. Die Diskussion findet weiterhin statt. Der Unterschied ist nur, dass alle wissen, wann die Entscheidung gefallen ist.

Besonders anspruchsvoll wird der Rollenwechsel dort, wo ehemalige Kolleginnen und Kollegen plötzlich zu Mitarbeitenden werden. Viele Ärztinnen möchten diesen Übergang möglichst unauffällig gestalten. Sie wollen dieselbe Kollegin bleiben wie bisher. Das ist sympathisch. Gleichzeitig erwarten das Team, die Pflege, die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte und oft auch die Patientinnen etwas anderes. Sie erwarten Orientierung.

Eine Oberärztin erzählte mir von einem Assistenzarzt, der sie in Besprechungen regelmässig unterbrach. Lange liess sie ihn ausreden. Irgendwann sagte sie ruhig: «Lassen Sie mich den Gedanken bitte zuerst fertigführen.» Mehr nicht. Keine Diskussion. Keine Rechtfertigung. Der Assistenzarzt entschuldigte sich und hörte zu. Es war keine Machtdemonstration. Es war eine kleine Erinnerung daran, welche Rolle sie in diesem Gespräch hatte.

Genau das fasziniert mich an diesen Beispielen. Es sind fast nie die grossen Gesten. Es geht nicht darum, lauter zu werden oder besonders dominant aufzutreten. Es geht um viele kleine Signale, die zusammen ein Bild entstehen lassen. Die Vorstellung am Patientenbett. Der erste Satz im Angehörigengespräch. Der Platz im Rapport. Eine klare Entscheidung. Ein ruhiges Stoppen einer Unterbrechung. Jede einzelne Handlung wirkt unscheinbar. Zusammen prägen sie, wie eine Führungsrolle wahrgenommen wird. Deshalb üben wir in meinen Workshops keine perfekten Formulierungen auswendig. Wir arbeiten an Situationen aus dem Spitalalltag. Wie betrete ich ein Patientenzimmer? Wie stelle ich mich vor? Wie leite ich einen Rapport? Wie übernehme ich die Führung in einem schwierigen Gespräch? Oft braucht es keine grossen Veränderungen. Häufig genügt eine kleine Verhaltensänderung, damit das Umfeld eine Rolle anders wahrnimmt.

Viele Ärztinnen hoffen, dass sich diese Wahrnehmung mit der Zeit von selbst entwickelt. Dass irgendwann alle wissen, wer Verantwortung trägt. Manchmal passiert das tatsächlich. Oft dauert es jedoch viel länger, als nötig wäre. Und manchmal passiert es gar nicht.

Die gute Nachricht ist: Man kann diesen Prozess aktiv beeinflussen. Meist braucht es dafür keine grossen Veränderungen. Oft genügt ein anderer Einstieg ins Gespräch, eine klare Vorstellung oder eine bewusst formulierte Entscheidung. Aus vielen kleinen Situationen entsteht mit der Zeit eine Rolle, die auch andere wahrnehmen.

Die Funktion erhält man mit der Beförderung.

Die Rolle entwickelt sich nicht von selbst. Sie muss bewusst gestaltet und geformt werden.

Bild KI-generiert

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Seit über zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit Karriereentwicklung, Führung und beruflichen Entscheidungen. Während dreizehn Jahren war ich im HR und in der Leadershipentwicklung eines Universitätsspitals tätig. Ich habe zahlreiche Bewerbungs- und Berufungsverfahren begleitet, Führungskräfte bei Karriereschritten beraten und die Entwicklung von Mitarbeitenden über viele Jahre hinweg miterlebt.

Aus dieser Erfahrung ist eine Arbeitsweise entstanden, die Analyse, Organisationsverständnis und konkrete Karrierestrategien verbindet. Gemeinsam erkennen wir, worauf es in deiner Situation wirklich ankommt, setzen Prioritäten und entwickeln Lösungen, die zu dir, deinen Zielen und deinem beruflichen Umfeld passen.

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Angebote für Ärztinnen

Seit vielen Jahren begleite ich Ärztinnen in ihrer beruflichen Entwicklung.
Durch meine langjährige Tätigkeit am Universitätsspital Basel und in einer auf das Gesundheitswesen spezialisierten Beratungsfirma kenne ich die Herausforderungen des Spitalalltags ebenso wie die Dynamiken, die Karrieren und Führungsverantwortung in diesem Umfeld prägen.
Auf dieser Seite findest du ausgewählte Angebote, die dich dabei unterstützen, deinen nächsten Karriereschritt strategisch vorzubereiten, dich klar zu positionieren und deinen Karriereweg bewusst zu gestalten.

Die ungeschriebenen Spielregeln im Spital​

Wenn ich mit Ärztinnen arbeite, stelle ich immer wieder fest, dass viele Karriereentscheidungen falsch interpretiert werden. Man sucht die Erklärung fast ausschliesslich in der fachlichen Leistung. Dabei gibt es im Spital – wie in jeder grossen Organisation – ungeschriebene Spielregeln.

Ich möchte dir vier Beispiele nennen.

Der erste Irrtum lautet: Gute Arbeit setzt sich von selbst durch.
Natürlich ist medizinische Kompetenz die Grundlage jeder Karriere. Ohne sie geht es nicht. Aber sie reicht oft nicht aus. Wer hervorragende Arbeit leistet, wird nicht automatisch wahrgenommen. Sichtbarkeit entsteht nicht zufällig. Sie muss bewusst aufgebaut werden.

Der zweite Irrtum: Positionierung beginnt erst, wenn ich den nächsten Karriereschritt plane.
In Wirklichkeit positionierst du dich jeden Tag. Mit den Aufgaben, die du übernimmst. Mit den Themen, für die du stehst. Mit deinem Auftreten in Besprechungen. Mit der Art, wie du mit anderen Berufsgruppen zusammenarbeitest. Die Frage ist nicht, ob du dich positionierst – sondern wie.

Der dritte Irrtum: Netzwerken hat etwas mit Eigenwerbung zu tun.
Viele Ärztinnen mögen dieses Wort nicht. Dabei geht es gar nicht darum, sich in den Vordergrund zu drängen. Es geht darum, dass Menschen ihre Kompetenzen kennen, Vertrauen zu ihnen entwickeln und sie mit bestimmten Stärken verbinden. Gute Netzwerke entstehen meist durch Zusammenarbeit und nicht durch Visitenkarten.

Und der vierte Irrtum: Durchsetzungsvermögen bedeutet, besonders laut oder dominant aufzutreten.
Das Gegenteil ist oft der Fall. Die wirksamsten Menschen sind häufig diejenigen, die klar kommunizieren, schwierige Gespräche führen können und ihre Interessen vertreten, ohne unnötige Konflikte zu erzeugen.

Genau deshalb spreche ich von ungeschriebenen Spielregeln. Nicht, weil sie geheim wären. Sondern weil sie selten erklärt werden. Wer sie versteht, kann den eigenen Karriereweg bewusster gestalten, bessere Entscheidungen treffen und sich so positionieren, dass die eigene fachliche Kompetenz auch wahrgenommen wird.

Meine Angebote für Ärztinnen

Frau Doktor führt!

Mein Karriereprogramm für Ärztinnen, die ihre berufliche Zukunft aktiv gestalten möchten. Dank flexibel kombinierbarer Module lässt sich das Programm gut mit dem Spitalalltag vereinbaren. SIWF-Credits können beantragt werden.

Strategischer Coachingprozesse

Du möchtest deine Karriere gezielt weiterentwickeln oder stehst vor einer wichtigen beruflichen Entscheidung? Über mehrere Monate arbeiten wir gemeinsam an deiner Positionierung, deinem Durchsetzungsvermögen und den nächsten Karriereschritten.

Karriereanalyse

Du möchtest deine berufliche Situation reflektieren und Klarheit über deine nächsten Schritte gewinnen? Gemeinsam analysieren wir deine aktuelle Situation und entwickeln konkrete Strategien für deinen weiteren Karriereweg.

Freebie

Hast du den Eindruck, dass deine Karriere im Spital nicht so vorankommt, wie du es dir wünschst?
Dann lade dir mein kostenloses Freebie «Wo es bei deiner Karriere hakt» herunter.

Das Video und das Arbeitsblatt wurden speziell für Ärztinnen entwickelt. Sie helfen dir zu erkennen, welche Faktoren deinen Karriereweg beeinflussen und an welchen Stellschrauben du konkret ansetzen kannst.

15’ Gespräch​

In einem kostenlosen 15-minütigen Telefongespräch besprechen wir deine aktuelle Situation und deine Ziele. Gemeinsam finden wir heraus, ob «Frau Doktor führt!», ein Coaching oder die Karriereanalyse der passende nächste Schritt für dich ist.

«Ich kann diesen Kurs allen empfehlen, die nicht nur funktionieren, sondern mitgestalten wollen. Sibyl und ihre Gästinnen geben ehrliche Einblicke in die unausgesprochenen Spielregeln im Spital – verständlich, praxisnah und überraschend klar. Besonders wertvoll: Du kannst das Gelernte direkt ausprobieren, üben und deine Wirkung stärken. Und künftig bringt dich keine Killerphrase mehr aus der Ruhe!»
Dr. med. Katrin Parmar
Stv. Chefärztin

Ausgewählte Blogs für Ärztinnen

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Sexuelle Belästigung in der Akademie, im Techniksektor und in der Medizin

Sexuelle Belästigung gibt es überall. Die meisten Opfer sind Frauen, doch auch Männer werden belästigt, meist durch Männer. Auch Frauen belästigen sexuell. Seit #MeToo, der Bewegung, die 2017 durch den Weinsteinskandal bekannt wurde, wird offener über sexuelle Belästigung gesprochen und geschrieben und die Opfer werden vermehrt ernst genommen. Dennoch ändert sich in der Realität durch diese Wahrnehmung erst einmal noch nicht viel.

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Erlebnis

Schluss mit langweiligen Schulungen und lieblosen Methoden!

In der Boutique Academy lernst du in inspirierenden Locations, die Veränderung spürbar machen. Mit kreativen Methoden und klaren Zielen fördern wir nachhaltige Transformation – digital, analog und voller Aha-Momente.

Zukunftslabor Wettingen
25hours Hotel Zürich, Tonbandlounge
IKAMED Zürich
Vatter Business Center Bern
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